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Freitag, 4. Oktober 2024
09:30 – 11:00 Vorbeugender Rettungsdienst: Ist und Soll
Die Politik ist gefordert!
Andreas Karl, MSc, Geschäftsführer der Rotes Kreuz Tirol gemeinnützige Rettungsdienst GmbH
Der Tiroler Rettungsdienst versteht sich als Gesundheitsdienstleister und möchte auch als solcher wahrgenommen werden. Um notwendige künftige Projekte in der Versorgungskette vorantreiben zu können, braucht es den politischen Willen und große Unterstützung durch die Verantwortlichen. Kein Mitwirkender allein kann diese Entwicklungen vorantreiben. Welche strategischen Entscheidungen sind im Rettungsdienst Tirol gemeinsam mit den politischen Entscheidungsträgern zu treffen? Was ist zu tun, um den Rettungsdienst Tirol auch zukünftig attraktiv zu gestalten?
Alternative Versorgungskonzepte: Modelle für Tirol?
Florian Zahorka, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Modellbildung und Simulation (IMS) der Ostschweizer Fachhochschule, St. Gallen
Im Rahmen der Weiterentwicklung des Rettungsdienstes vom Transport- zum Gesundheitsdienstleister gilt es den Interventionsraum zwischen Hospitalisierung und Belassung im Sinne einer sanitätsdienstlichen Versorgung neu zu definieren. Dazu werden zunächst Studienergebnisse der Analyse einer Tiroler Region vorgestellt, die einen Einblick in die momentane Einsatzrealität des Rettungsdienstes erlauben. Im Anschluss erfolgt eine breite Darstellung nationaler-, sowie internationaler Alternativen, die von der direkten Intervention vor Ort, bis hin zu nachgehenden Ansätzen aus dem Case- und Care Management reichen.
Konzept Vorbeugender Rettungsdienst
Sebastian Lange, Abteilungsleiter Rettungsdienst, Bayrisches Rotes Kreuz, Landesgeschäftsstelle München
Jährlich steigende Einsatzzahlen stellen Rettungsdienste vielerorts auf eine harte Belastungsprobe. Wie können wir diese bewältigen und wie gehen wir mit Einsätzen um, bei denen nicht primär die notfallmedizinische Versorgung im Focus steht? Ist es denkbar Wege zu finden, die es uns nachhaltig ermöglichen die Einsatzzahlen des Rettungsdienstes zu senken?
11:30 – 13:00 Notfallmedizin Aktuell
Herausforderungen für den Rettungsdienst der Zukunft
Ing. Christof Constantin Chwojka, Geschäftsführer Björn Steiger Stiftung, Winnenden
Deutschland verfügt genauso wie Österreich über ein historisch ausgebautes, mehrschichtiges Notfallversorgungssystem (ambulanter Bereitschaftsdienst, stationäre Notaufnahmen, Rettungsdienst). Diese verschiedenen Bereiche sind jedoch mit Blick auf die Planung, Leistungserbringung und Finanzierung unterschiedlich geregelt und wenig bis gar nicht miteinander vernetzt bzw. koordiniert. Das stellt sowohl Patienten als auch Leistungserbringer vor erhebliche Probleme, die dringend gelöst werden müssen. Oft rückt der Rettungsdienst aus, obwohl er eigentlich nicht erforderlich ist oder obwohl das Event nicht seinen primären Aufgaben entspricht, da es außer dem Rettungsdienst und den Notaufnahmen der Krankenhäuser keine weitere, allgemein bekannte, durchgängig funktionierende und von der Bevölkerung akzeptierte 24/7 Anlaufstelle für Hilfeersuchen gibt. Der Vortrag beleuchtet, welche Problemfelder zukünftig umgehend verbessert werden müssen, um eine bestmögliche präklinische Versorgung sicherzustellen.
Notfallkompetenzentwicklung im RD Tirol
Dr. Thomas Fluckinger, Chefarzt Rotes Kreuz Tirol, Medizinischer Leiter der Rotes Kreuz Tirol gemeinnützige Rettungsdienst GmbH
Mit der zunehmenden NFS Besetzung der RTW B/C ist auch die Bedeutung der Notkompetenzen gestiegen. Bis auf die NKI werden alle in Tirol an der RK Akademie ausgebildet. Seit Einführung des Larynxstubus hat die NKI zunehmend an Bedeutung verloren. Die Verabreichung von Notfallmedikamenten laut AM 1 & 2 hat deutlich zugenommen. Die Überprüfung der NKV mit Arzneimittel-Verabreichung anhand der Sanitäterprotokolle zeigt eine hohe Adhärenz zu den zugrundeliegenden Algorithmen mit entsprechender Abfrage der Kontraindikationen und Einhaltung der vorgegebenen Dosierungen.
Reanimationsregister Tirol
Dr. Armin Krösbacher, QM-Beauftragter im ÄLRD-Team Tirol, Anästhesist, Notarzt, Landeskrankenhaus Innsbruck
Die Etablierung eines Reanimationsregisters wird in den ERC Guidelines 2021 klar gefordert. Die praktische Einführung eines solchen Tools stellt sich jedoch oft als nicht so einfach dar. In diesem Vortrag soll gezeigt werden, wie ein Register in Tirol - mit multiplen Beteiligten Organisationen - aufgebaut wurde. Außerdem werden erste Einblicke in die Ergebnisse des landesweiten Registers gezeigt.
14:30 – 16:00 Copingstrategien, Resilienz, Salutogenese
Second Victim: Ein Aspekt der Patienten- und Mitarbeitersicherheit?
Stephanie Niederhuber, Akademische Psychosoziale Beraterin, Leitung Psychosoziale Leitstelle im Verein Second Victim, Wien
Das Second Victim Phänomen (SVP) beschreibt die psychischen und physischen Belastungen, denen Gesundheitspersonal nach medizinischen Behandlungsfehlern ausgesetzt ist. Meist liegt der Fokus nach einem Behandlungsfehler auf dem Leid der Patient*innen, während die Auswirkungen auf das beteiligte Personal, den zweiten Opfern, nur wenig beachtet werden. Angehörige von Gesundheitsberufen können durch das SVP stark belastet werden, was sich auf die Patient*innensicherheit und die Versorgungsqualität auswirken kann.
Resilientes Arbeiten im Rettungsdienst
Dr. Dr. med. Beatrice Thielmann, Bereich Arbeitsmedizin, Medizinische Fakultät, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Die Herausforderungen einer VUCA-BANI-Arbeitswelt mit sich immer schneller verändernden, globalisierten und digitalisierten Arbeits- und Lebenswelten verunsichern, überfordern und überlasten viele Mitarbeitende auch im Rettungsdienst. Es ist bekannt, dass Resilienz vor Stress und seinen Folgen wie Burnout schützen kann. Die Stärkung der Resilienz sollte daher eine Aufgabe des betrieblichen Gesundheitsschutzes sein.
Humor im Rettungsdienst
Hannah Köck, MSc, Psychologin, Notfallsanitäterin/NKV, Innsbruck
Marie-Therese Bauer, Medizinstudentin, Innsbruck
Draufbrennen, Partyfass, Himmelflex - verstanden und gelacht oder doch nur Kopfschütteln? Der österreichische Rettungsdienst und seine Sprache. Ein besonderes Tanzpaar auf dem Blaulicht-Parkett in diesem Land. Durch eine Sammlung der unterschiedlichen Begriffe, Floskeln und Sprüche aus dem österreichischen Rettungsalltag möchten wir uns mit den Möglichkeiten und Auswirkungen von Humor auf Patient:innen, aber vor allem auf uns als Team auseinander setzen. Die Vor- und Nachteile des terminologischen Rettungsjargons werden hierbei beleuchtet, wobei der ein oder andere Begriff vielleicht in ein anderes Licht gerückt wird, als ursprünglich angenommen wurde. Ebenso wird ein Blick auf den Nutzen von Humor im Rettungsalltag gewagt.
16:30 – 18:00 Freiwilligkeit im Rettungsdienst
Podiumsdiskussion
Mag. Nicole Schreyer, Geschäftsführerin Klima // Strategie Schreyer GmbH, Kufstein
Sylvia Kranebitter, Bezirksstellenleiterin Rotes Kreuz Telfs, GSD Referentin vom Landesverband Tirol, Krisenintervention, Lehrsanitäterin
Markus Rieder, MSc, Fachbereichsleiter IV der Abteilung Rettungsdienst in der Bayrischen Rotkreuz-Landesgeschäftsstelle, München